Albanien im Winter - keine warme Sache!


Albanien liegt in Südeuropa und weist ein vorwiegend mediterranes Klima auf. Immer mehr Langzeitüberwinterer erwägen den Süden des Landes als potenzielles Ziel für jene Monate, in denen es in Westeuropa kalt und schmuddelig ist. Sommer, Sonne, leichte Kleidung, das ganze Jahr über. Möchte man meinen. Denn spätestens Mitte November ist es vorbei mit T-Shirt und Sandalen, mit Eiscafé und kaltem Bier. Dann bricht über weite Teile der Winter herein. Unerbittlich und mit einer unvorstellbaren Wucht. Massen von Schnee bedecken den größten Teil des Landes. Sogar niedrige Passstraßen, Nationalstraßen und die Autobahn sind dann, wenn überhaupt, nur noch mit Schneeketten bezwingbar. Professionelle Schneeräumgeräte sind noch Mangelware im Land und werden den Unmengen des weißen Pulvers nicht mehr Herr.


Tausende Dörfer sind wochen- und sogar monatelang von der Außenwelt abgeschnitten, ganze Verbindungswege sind gesperrt, Lawinengefahr inklusive. Schneehöhen von drei bis fünf Meter sind keine Seltenheit. Wenn das nicht schon reichen würde, nein, hinzu kommen jene todesmutigen Autofahrer, die unbedingt an solchen Tagen wegen einer Nichtigkeit von A nach B wollen und ihr sommerbereiftes Gefährt in Bewegung setzen. Entwarnung gibt es meist erst ab Mitte Februar, dann verschwindet die weiße Pracht so plötzlich, wie sie gekommen ist. Aber manche Ortschaften in den nördlichen und östlichen Bergen bleiben durchaus bis Mitte Mai von Schnee umgeben.





Gut, an der Küste wird das doch nicht so schlimm sein, werden die meisten denken. Doch auch hier ist es dann, bis mindestens Anfang Februar, mehr als ungemütlich. Der Wind pfeift unerbittlich, es regnet in Strömen und die Straßen stehen regelmäßig unter Wasser. Gummistiefelwetter. Es gibt sogar Jahre, da schneit es bis auf Meereshöhe, auch ganz im Süden - trotz 300 Sonnentagen im Jahr.


Und als wäre das nicht schon genug, man kann sich noch nicht mal in ein gemütliches Heim verschanzen und sich so richtig aufwärmen. Also es ist nicht so, dass es keine Kamine und Feuerstellen oder Heizungen in Häusern gibt, aber das ist nicht die Regel. Meist erfüllt die im Sommer so unerlässliche Klimaanlage gegen die brütende Hitze im Winter den gegenteiligen Zweck und soll somit ein wenig Wärme spenden. Aber auch darauf ist kein Verlass, zudem das ständig surrende Gerät ja auch nicht die so sehnlich erwünschte Gemütlichkeit bringt. Meist schaltet es automatisch ab, wenn man das Zimmer verlässt, der Raum kühlt somit erbarmungslos aus. Stromausfälle sind im Winter immer noch an der Tagesordnung, und da bringt die beste Klimaanlage oder eine Heizung nicht die beabsichtigte Wirkung. Zudem man dann auch noch im Dunkeln sitzt und auch kein Warmwasser zur Verfügung hat.


Nicht, dass von einem Albanienaufenthalt im Winter unbedingt abzuraten ist, diese perfekte, idyllische Winterlandschaft unter unperfekten Umständen hat durchaus seinen Reiz, genügend Kleidung im Gepäck und noch mehr Flexibilität vorausgesetzt. Und auch die Strände hat man zu dieser Jahreszeit mit Sicherheit für sich alleine. Aber generell gesehen ist eine Reise in das Land unter „normalen“ Umständen doch vorzuziehen.



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