Die ODA - für Gäste nur das Beste - das vornehme, albanische Gästezimmer!
Die Oda war oder ist ist einer der wichtigsten Orte in einem der traditionellen, herrschaftlichen albanischen Wohnhäuser, wie man sie zum Beispiel aufwendig aufbereitet für Besucher in Berat oder Gjirokastër findet, doch auch in den kleineren Versionen der Nordalbaner gab es meist so einen bedeutenden Raum.
Die Oda ist ein zentraler Bestandteil der alten Kultur, ein Ort, andem früher wichtige politische Diskussionen, Geschichten und Lieder über Generationen hinweg weitergegeben wurden.
Im 18. und 19. Jahrhundert gab es diese Art von Raum in vielen Regionen des Balkans, mit dem Einfluss von außen schwand leider ihre Bedeutsamkeit und wurde von anderen Wohnräumen abgelöst.
Es war (oder ist auch heute noch) das beste und größte Zimmer des Hauses, die Familienzentrale sozusagen, was sich besonders in den künstlerischen und architektonischen Details des Raumes widerspiegelt. Es ist der Bereich, wo Gäste empfangen, bewirtet und unterhalten wurden.
Die Lage im Haus selbst, zahlreiche Fenster, der sogenannte Musander-Mahfil-Bereich, ein geschlossener, hölzerner Innenraum sowie niedrige Sitzsofas, Nischen auf jeder Wandseite, der elegant gearbeitete Kamin mit Feuerstelle gehörten zu den wesentlichen Dingen, die einen Raum zur Oda machten. Die Wandschränke und die Decke wurden aus filigran bemaltem Holz gefertigt, der Bodenbelag war mit handgefertigten roten Kelims, Teppichen oder Vorlegern bedeckt. Das Essgeschirr und das Besteck fanden in der Mitte des Raumes ihren festen Platz.
Beim Sitzen, Essen oder Sprechen spielte die Hierarchie eine wichtige Rolle. Der Gastgeber eröffnete die Diskussion und hielt sie im Gleichgewicht, während der älteste Gast das letzte Wort hatte. Der Besucher wurde in der Oda entweder auf einen Kaffee oder für ein paar Tage oder länger empfangen. Er durfte dann in der Oda bleiben, dort essen und schlafen. Als Zeichen der Ehre und des Respekts war er immer in der Gesellschaft des Hausbesitzers oder seines ältesten Sohnes.
Darüber hinaus war die Oda der Ort, wo sämtliche Familienereignisse stattfanden, ob glückliche oder traurige. Die Oda war ein ausschließlich von Männern geführter Bereich im Haushalt, die Frauen waren für das Zubereiten und Servieren der Speisen und Getränke zuständig. Denn in der Oda waren wichtige Angelegenheiten zu besprechen. Dabei war es verboten, jemandem ins Ohr zu flüstern oder unaufgefordert zu sprechen. Die Gespräche verliefen kurz und bündig, lakonisch. Eine Meinung konnte mit einer entsprechenden Kopfbewegung oder den Worten -Ja, du hast recht“ gebilligt oder vorsichtig zurückgewiesen werden.
In der Oda wurde über das Schicksal junger Männer und Frauen entschieden. Hochzeiten wurden im selben Raum beschlossen oder abgesagt. Auch Politik und Handel wurden dort diskutiert. Frauen und Kinder durften den Raum nicht betreten. In manchen reichen Häusern gab es daher eine kleine Oda nur für Frauen.
Allerdings war Gastfreundschaft dabei so wichtig und wurde über Familieninterna gestellt, dass beim Eintreffen eines Gastes während einer Zeremonie oder einem traurigen Anlass der Gast begrüßt und behandelt wurde, als wäre nichts passiert. In der Oda wurden aber auch epische Lieder gesungen, meist bis spät in die Nacht.
Heute ist die ursprüngliche, strenge Form der Oda-Tradition natürlich fast vollständig verschwunden, aber sie bleibt ein Symbol für Gastfreundschaft und das albanische kulturelle Erbe.

Eine Original-Oda kann man z.B. in Gjirokastër im Zekate-Haus besichtigen, oder in Berat im Ethnografischen Museum. Sehr schöne Beispiele gibt es auch in den Wehrtürmen im Westkosovo.
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