Albanien mit dem Furgon - legendäres Minibus-Taxi
Albanien kann man wunderbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln bereisen.
ABER: Das bedeutet in der Regel auch immer Abenteuer und bietet ungewöhnliche sowie unvergessliche Erlebnisse. Und das ist es doch, was eine aufregende Reise ausmacht. Denn gerade in Bus, Bahn und Furgon spürt man noch diese touristische Unerfahrenheit und die einfachen Menschen, die damit von A nach B müssen, sind so herrlich offen und unbekümmert. Zudem ist es eine sehr preiswerte (eine Fahrt quer durchs Land sollte nicht mehr als 25 Euro kosten), aber auch zuverlässige Art des Fortkommens, und gerade der Furgon ist sehr beliebt.
Bei einem Furgon handelt es sich um einen Minibus, meist die robuste Ausgabe mit Stern am Kühler. (Oder ein ähnliches Gefährt.)
Sie bedienen oft auch die gleichen Strecken wie die großen Busse, allerdings halten sie nur, wenn ein Fahrgast aussteigen möchte, manchmal auch, wenn jemand zusteigen möchte. Das macht sie schneller. Die Minibusse haben im Allgemeinen auch feste Abfahrtszeiten, starten jedoch generell erst oder bereits schon, wenn sie voll sind. Und voll heißt auch voll. Nicht selten, dass noch ein oder zwei beplüschte oder belederte Hocker zwischen die Reihen geschoben werden. Außerdem haben in einem 16-Sitzer sowieso mindestens 25 Personen Platz, zusammenrücken gilt als selbstverständlich.
Auch wenn es bereits so etwas wie Bestimmungen gibt, die das untersagen. Aber was solls.
Man sollte also darauf achten, dass man den Platz neben dem Fahrer ergattert oder einen der Plüschhocker, die hat man für sich alleine. Aber besondere Vorsicht ist im Sommer angesagt, wenn die geöffneten Türen für Kühlung durch Fahrtwind sorgen, dann ist der Hocker weniger sicher.
Sitzt man drin und haben es sich alle irgendwie notdürftig bequem gemacht, hat es sich auch schon rumgesprochen, dass Touristen an Bord sind. Zuallererst wird man ungeniert nach der Nationalität gefragt. Trotz Sprachbarrieren beginnt ein ausführliches Gespräch. Albaner reden gerne und viel. Auf ein „nga jeni?“ kann man antworten „nga Gjermania“, „nga Austria“ oder „nga Zvicra“. Innerhalb kürzester Zeit erfährt man Lebensgeschichten, den Grund der Fahrt, zahlreiche Familienverhältnisse und ist im Besitz von Bergen von Obst oder muss Unmengen an Schnaps verkosten. Sitzt man neben einer alten Dame, kann man sicher sein, dass man alles essen muss, was sie dabei hat. Überhaupt scheint es, dass man sich untereinander extrem gut kennt und die Leute haben immer Geschichten zu erzählen.
Zeitgleich wird man Zeuge der albanischen Fröhlichkeit. Aus dem Radio tönen traditionelle albanische Lieder, viele singen mit. Nein, sie feiern nichts, sie genießen ihre Reise. Nähert man sich dem Ziel, leert sich der Furgon langsam, aussteigen kann man, wo man will. Manchmal wird aber auch ein kleiner Umweg bewältigt, um das Mütterlein mit all ihren Habseligkeiten direkt vor ihrem Haus abzusetzen. Ein Umweg kann auch anfallen, um jemanden abzuholen, der sich kurz vorher telefonisch gemeldet hat. Ohne schlechtes Gewissen kann man den Fahrer natürlich auch bitten, kurz anzuhalten, wenn man sich am Straßenrand mit Obst versorgen möchte. Er wird es tun. Andererseits sollte man nicht schlafen, man könnte das Ziel verpassen. Oder eine der Pausen und somit Toilettengänge, wenn es sich um lange Strecken handelt.
Kassiert wird übrigens zum Schluss und auch nur das, was den tatsächlichen Fahrpreis ausmacht, der Albaner ist ehrlich. Man sollte es auch tunlichst vermeiden, Trinkgeld zu geben, denn dann muss man davon ausgehen, dass es für Touristen bald Sonderpreise gibt.
Apropos Gesetze: In den großen Städten sind keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr zugelassen, die älter als 10 Jahre sind, der Sicherheit und der Umwelt zuliebe.
Kurze Randbemerkung: Unser Text stammt aus unserem Buch "99 Fakten über Albanien" (siehe unten) und liegt schon etwas zurück. Sicherlich hat sich in den Jahren einiges bzgl. des Komforts und der Umstände geändert, nicht aber was die Mentalität der Albaner anbelangt und somit den damit verbundenen, unvergesslichen Spaß, den man beim Reisen im Furgon sicherlich hat.
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